Foto: Mattias Jonasson
Foto: Mattias Jonasson

Offerus Ablingers interdisziplinäres, prozessorientiertes Schaffen dreht sich um das Themenfeld Maskulinität, Subkultur und deren Streuwirkung auf den Mainstream. Er bedient sich dabei den Medien Malerei, Performance, Installation und Video. In seiner künstlerischen Analyse verwendet er eine Art transhumanistische Science-Fiction-Schablone. Mit Hilfe von Körpererweiterungen, Körperoptimierungen, Modifikationen, Cyborgs und Technologie werden in seinen Gemälden gesellschaftliche Kodierungen aufgebrochen, kritisch hinterfragt, neu interpretiert und Körpergrenzen neu ausgelotet. Begriffe wie Biomacht (Foucault), transhumanistische Utopien bzw. Dystopien, Ethik und Gender werden in seinen soziopolitischen Werken neu verortet.

 

Curriculum VITAE / Offerus Ablinger (geb. 1983, OÖ) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Ashley Hans Scheirl. Zentrale Themen, im Speziellen seiner Malerei, sind Normativität in einem sich nicht normativ verhaltenden Umfeld, Queerness, gesellschaftliche Konstrukte und Körperlichkeit. Männlichkeitsbilder und Geschlechterrollen außerhalb und innerhalb der heteronormativen Grenzen werden kritisch behandelt.

 

Als Teil des Kunstkollektivs Offerus Ablinger/Hagendorfer beschäftigen sich die beiden Künstler:innen intensiv mit gesellschaftspolitischen Themen, Vergangenheitsaufarbeitung und Fragen zur Geschlechtsidentität.


Konzentrierte Queerness 

Zu Offerus Ablingers „Trans/Masc (Serie 1-4)“ 

Betrachte ich die aktuellen Bilder „Trans/Masc (Serie 1- 4)“ von Offerus Ablinger sticht mir der weiße Grund ins Auge. Aus einer strahlend weißen Fläche ohne Schatierungen oder erkennbarem Pinselstrich erheben sich die Figuren, Körper, Torsi. Oder versinken sie? Das liegt im Auge der Betracher:innen. Zu sehen sind Fragmente von Körpern, die als männlich gelesen werden können, Körperformen in barocken Drehungen und Windungen, Schatierungen der Haut, die auf den ersten Blick realistisch wie ein Foto wirken, bei genauem Hinsehen aber traditionelle Maltechnik von hohem handwerklichem Können mit feinem Pinselstrich und zarter Lasur erkennen lassen. Trotz ihrer Nacktheit entziehen sich die Porträts einer offensichtlichen Erotik, da sie sich auch gängigen Schönheitsklischees verweigern. Ihre Männlichkeit ist fragil und brüchig. 

Offerus Ablinger definiert sich selbst als queerer Mann*, der Männlichkeit und die damit verbundenen althergebrachten Geschlechterzuschreibungen, in Frage stellt. In einem Akt der Selbstermächtigung, der es ihm erlaubt, zu definieren, was männlich ist und sein kann, zeigt sich eine politische Haltung, die gängige Machtverhältnisse hinterfragt und kritisiert. Queere Identitäten und Zuschreibungen sind fluide, wie die von ihm gemalten Körper, die er in einem Moment ihrer Veränderung festzuhalten scheint. Die Körper aus Fleisch und Blut verwandeln sich in Cyborgs oder umgekehrt, so wie die Körper aus dem Weiß auftauchen oder verschwinden. Ein Männerbein aus Haut und Haar, ein in die Höhe gereckter Arm, ein manieristisch verdrehter Hals – sie gehen über in abstrakte Formen, lösen sich in der Abstraktion auf oder gehen aus ihr hervor. Und tauchen ein ins Weiß, ins unendliche Weiß. 

Die gewählten, expressiven Körperhaltungen und die altmeisterliche Manier stehen auch in einer Tradition des Camp, jener schwulen Kunst und Lebensweise, die Susan Sontag in den 1960er-Jahren als „Liebe zum Unnatürlichen, zum Trick und zur Übertreibung“ definierte. Camp ginge es „nicht um Schönheit, sondern um den Grad der Kunstmäßigkeit, der Stilisierung.“ So realistisch die Männerbilder von Offerus Ablinger wirken, sie sind doch jeder Natürlichkeit enthoben. Körpergrenzen sind aufgehoben, eindeutige Zuordnungen von Geschlecht und Gender verwischt. Männlichkeit wird, wie es Sontag in ihrer Definition für Camp fordert, unter Anführungszeichen gelesen, die „Existenz als das Spielen einer Rolle begriffen.“ Wie im Theater wird der männliche Körper auf einer Bühne präsentiert. 

Dabei werden Codes der queer-schwulen Subkultur aufgegriffen, erinnern einmal an Voguing-Posen, ein andermal an SM-Inszenierungen oder an Drag Performances. Video-Projekte und Performances sind für Offerus Ablinger auch eine Erweiterung der traditionellen Arbeit am Tafelbild, ein Ausgreifen in andere Kunstformen, für die er sich auch gerne Kooperation mit anderen Künstler:innen sucht. Auch hier stehen Körper, Genderzuweisungen durch Sozialisierung und die Politisierung von Sexualität und Geschlecht im Zentrum seines Interesses, um heteronormative Strukturen und Grenzziehungen aufzubrechen und zu überwinden. 

Die Gemälde wirken fragmentarisch und sind doch als Fragment notwendig fertig. Der in der romantischen Kunsttheorie entwickelte Begriff des „notwendigen Fragments“ zielt auf die Unabgeschlossenheit und damit Offenheit eines Kunstwerks. Das Unfertige wird zum Ausdruck einer Welt, die in ihrer Ganzheit nicht (mehr) erfassbar und so auch nicht darstellbar war. Alles Beiwerk wird in den Gemälden von Offerus Ablinger weggelassen. Er konzentriert sich auf das Wesentliche: die Transformation. In seinen transhumanistischen Porträts queerer Männlichkeit wird der Moment der Veränderung in einem Augenblick festgehalten. Wie eingefroren. Diese Momentaufnahme verlangt die fragmentarische Darstellung, in ihr wird die queere Aufhebung heteronormativer Identitätszuschreibungen augenfällig. Die Queerness ist so nicht nur thematisch sondern auch formal in Offerus Ablingers Kunst eingeschrieben. 

 

Andreas Brunner (Historiker, QWIEN)

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Stipendien

 

2020

Studio Programm, Akademie der bildenden Künste Wien

Art Start / Mentoring Programm, Akademie der bildenden Künste Wien

Arbeitsstipendium, Stadt Wien

 

Publikationen

 

2022

Les Nouveaux Riches

2021

Zukunft (Die) Zeitschrift

2020

The free Lunch Commission

Vangardist Magazine

Pride Magazine

 

Ausstellungen

2022

Artiststatement / Parallel, Wien

Pride / Transmutation / Villa Vida, Wien

2021

Vienna Art Week / Transmutation / Creative Cluster, Wien

Einzelausstellung (Trans/Masc) / Wir(r) im Raum, Wien
Porn Film Festival Vienna / Art Exhibition, FUCK CULTURE, DESCRIPTIVE / MQ Museums Quartier / Raum D., Wien

Parallel Vienna / Studio lll, Wien
The artèQ, NFT Auktion / Desiderio No1 Gallery, Wien 

2020

Vienna Art Week / Creative Cluster, Wien 

Stay Awake / Raumschiff, Linz

Porn Film Festival Vienna / Improper Walls, Wien

No Sports. Just Art / Creative Cluster, Wien

Der lgbtqia+politischimmerkorrektegaynado... / QDK artvideoloop /

MQ Wien, Raum D 

TRANS/MASC / xHIBIT, Wien

2019

Roboexotica / Euro Pride Vienna / Visuals, Alternative Stage

Europe Now / galeriekrems, Krems

2018

Hinein / WUK, Wien

Blendwerk, Stadt in den Wolken /  Vienne Art Week, AA Collektion, Wien

Connection 2 / WL4 Kunstraum, GDANSK, Polen

Bodies and Inhabitants / Siegmund Freud Museum, Wien

NETWORK DREISECHSFUENF / Galerie Die Schöne, Wien

Landscapes of Disere / Porn Film Fasifal Vienna / Dessous, Wien

its a match!: von abstrakt bis später / Akademie der bildenden Künste, Wien

Aarmageddon last Show / Aa Collektions, Wien 

2017

Austellung / Gallery Ursula Stross, Graz

Pink Panic Room / Rhiz, Wien

2016 / 2017

Euromoon / Kunst- und Kulturzentrum Werk, Wien / Masc Foundation, Wien / Celeste, Wien

2016

Europe Now / Galerie Barcelona, Belgrad, Serbien

Hop Inn Krieau / Creau Kulturzentrum, Wien

The Anatomy of Melancholy / Ateliertheater, Wien

Dreisechsfünf#1 / Masc Foundation, Wien

2015

Aufgerissenen Auges: Transmanieristische Reaktionen / Xhibit, Akademie der bildenden Künste Wien

Art UnAnchored Festival / Tulln - Wien - Krems, MS Stadt Wien

Ship Happens after Resurrection / Celeste, Wien

2014

Pornös: "(Gl)amourös" / Aa Collections, Wien

Pomeranze / Club Titantic, Wien

Art UnAnchored Promo Party / Badeschiff, Wien

Art UnAnchored Festival / Tulln - Wien - Bratislava, MS Stadt Wien

Göttliche Liebschaften / VBKÖ Wien

Kunst & Musik im Puff / Queen Club Animierlokal, Wien

2013

Popp Inn Orgie / Trust 111, Wien

FickenDrogenSteinsein / MASC Foundation, Dada 39, Kunsttankstelle, Wienstation, Wien

Ins Graue, Schikaneder, Wien

THE L. A. SHOW - queer art / The Museum of Contemporary Mind (MUCOM), Los Angeles, USA

2012

Ins Graue / Schikaneder, Wien

Die Präsidentinnen besuchen eine Kunstausstellung / Landesgalerie, Linz / Tabakfabrik, Linz / Alte Schule, Gutau / Spinnerei, Traun

2010

Spannungsfeld / Homosexuellen Initiative, Linz

2009

Einzelausstellung / ehemaliges Theater Chamäleon, Linz